Nach einer Konferenz in New Orleans hat es mich mit einem Mietwagen nach Florida verschlagen. Ich habe diese Auszeit sehr genossen. Fahren, Musik hören, am Strand liegen, wandern, essen,…
Und es ist wahr, Florida besteht hauptsächlich aus Rentnern.
Wie heißt es so schön, alles Gute kommt zu einem Ende (oder so).
Meine letzte Woche hier habe ich sehr genossen. Wir sind letzte Woche ins Swans Hotel gegangen. Das war der Ort, wo für mich alles angefangen hat. Denn letztes Jahr bei meinem ersten Besuch hier war das das Hotel, wo ich übernachtet habe. Dort gibt es übrigens exzellentes Bier…
Mein Wochenende habe ich genutzt um ein letztes Mal mit dem Longboard durch die Gegend zu fahren, habe auch das Wasser ein letztes Mal “besucht”.
Und dann hat es mich gepackt. Ich habe kurzerhand beschlossen, noch einmal wegzufahren. Auto gemietet, Unterkunft telefonisch organisiert. Übernachtet habe ich die zwei Nächte in Port Alberni, im selben Motel, wo ich schon mit Peter übernachtet habe. Diesmal, weil Nebensaison, war es deutlich günstiger. Port Alberni, wie ich feststellen konnte, hat ein paar nette Pubs. (Ich war in genau zwei.) Am Dienstag bin ich zur See gefahren, in den Pacific Rim National Park. Diesmal ging es nach Ucluelet. Ich war sehr überrascht, wie schön es dort ist an der Küste entlangzulaufen. Die Bilder geben nicht einmal einen Teil dieser Schönheit wieder. Anschließend, gegen Abend, bin ich noch einmal an den Long Beach gefahren und von dort zum South Beach gelaufen, wo ich auf einen Felsen geklettert bin um von dort die Wellen zu beobachten, die ans Ufer kommen. (Mein Versuch, die Wellen zu filmen, kann man hier sehen: )
Mittlerweile bin ich zurück. Mein Schreibtisch ist leergeräumt, der Computer blank gelöscht. Eigentlich müsste ich jetzt gerade packen, aber irgendwie brennt es mir unter den Fingern, meinen letzten Bericht zu schreiben. Denn dies ist mein letzter Eintrag aus Kanada.
Gleich geht es noch einmal ins Büro. Wir haben eine kleine Goodbye-Party. Ich selbst habe gestern Muffins gebacken und bringe sie mit. Anschließend werden wir noch ins Moon Under Water Pub gehen zum Abendessen, und vielleicht auf ein zwei Bier. Morgen geht es dann schon in Richtung Heimat, aber nur in die Richtung. Eine Woche werde ich noch in den USA verbringen und dann heißt es auch schon “Hello Deutschland”.
Ich werde Kanada vermissen, aber ich gehe mit einem guten Gefühl zurück.
Eine Schifffahrt die ist lustig, eine Schifffahrt die ist schön
Wie die Zeit mittlerweile vergeht. Einerseits scheinen die Stunden innerhalb der Woche nicht verrinnen zu wollen, andererseits zerfließen die aufregenden und schönen Momente wie Schokolade in der Sonne.
Am Donnerstag bin ich mit meiner Vermieterin nach Sidney gefahren. Es war an der Zeit, dass ich mir endlich die Gallerie anschaue, in der sie arbeitet. Sidney selbst ist eine Kleinstadt, wo man, wenn es ein Westernfilm wäre, die Strohballen rollen sehen würde. Da ich aber Glück mit dem Wetter hatte, habe ich mich einfach ans Wasser gesetzt und ein Buch gelesen, das ich schon lange lesen wollte. Ein Buch, das einem ein wahnsinnig gutes Gefühl gibt, wenn man es gelesen hat.
Am Nachmittag ging es zurück nach Victoria, und weil das Wetter immer noch gut war, bin ich, nach einem kurzen Stop am Fisherman’s Wharf für Fish and Chips, die Dallas Rd entlang gelaufen und habe wahrscheinlich zum letzten Mal in der nächsten und entfernteren Zeit die See genossen (bei schönem Wetter wohlgemerkt).
Am Freitag sind wir endlich ins Fernwood Inn gegangen, eine Kneipe in der Nachbarschaft. Und es hat sich gelohnt.
Samstag musste ich früh raus. Ich bin nach Vancouver. Nach einer tollen, aber langen Fährfahrt habe ich mich auf Sushi mit Freunden getroffen, bin zum Hotel zum Einchecken, und wieder los. Im Vogue Theatre haben Cut Copy gespielt. Eine Band, die ich schon seit Jahren rauf und runter höre, und sie leider vor kurzem in Europa verpasst habe. Welch Glück, dass ich hierher gekommen bin. Und das Konzert war einfach großartig.
Meine Rückkehr nach Victoria war dann etwas merkwürdig. Auf der Fähre waren 3 Busse mit jungen Japanern, die im Eifer der Hormone etwas aufgekratzt waren. Oder so. Jedenfalls haben mich, nachdem ich einen Tunfisch- Sandwich verdrückt habe, japanische Mädchen angesprochen ob sie ein Foto von mir machen können. Bevor ich geantwortet habe, ist das Foto auch schon aufgenommen worden. Ich war etwas verwundert darüber (unrasiert, definitiv übermüdet, etwas verquollen, die ungekämmten Haare unter der Mütze) und hatte einfach nur große Fragezeichen in den Augen…
Den Abend habe ich im Eifer des Hungers mich an Muffins versucht, und bin grandios gescheitert.
Nichtsdestoweniger, dank dem kanadischen Thanksgiving hatte ich ein langes Wochenende. Wir hatten Karotten-Ingwer-Kokosnuss-Suppe, dann Huhn. Alles in Zusammenarbeit selbst gemacht. Wir hatten mal wieder sturmfrei.
Momentan habe ich das Gefühl, dass ich einfach nur noch damit beschäftigt bin, aufzuräumen und das meiste zu Ende zu bringen.
Freitag habe ich mich auf den Weg gemacht: Zuerst zum Clipper (so eine Art Katamaran), durch den Ami-Zoll, über die Juan de Fuca Strait, um letztendlich in Seattle anzukommen. An Bord habe ich ein paar Leute kennengelernt und mir die Zeit kurzweilig vertrieben. Unter anderem eine junge Soldatin und ihre Mutter, die auf einen Tagesausflug in Victoria waren. Und weil diese junge Soldatin und ihre Mutter so nett waren, haben sie mir angeboten, mich zu meinem Bed and Breakfast zu fahren. Ich fand das großartig, aber ich hätte dankend ablehnen sollen. Nach einem kleinen Abendessen zusammen sind wir dann also los. Wir haben die Adresse ins GPS eingegeben. So weit so gut. Manchmal frage ich mich, wie man als Geisterfahrer auf der Autobahn enden kann. Nun weiß ich die Antwort.
Das GPS sagte “Turn now.” und wir sind abgebogen - direkt auf den Highway auf der falschen Seite. Von hinten kam nur “Brittany, what are you doing?”, was wahrscheinlich auch nicht weiter half. Die Autos jedenfalls haben gehupt, zurück ging es auch nicht mehr. Ich glaube, ein wenig habe ich mein Leben an mir vorbeirauschen gesehen. Nach dem ersten Schrecken haben wir dann gedreht und sind in die richtige Richtung gefahren. Puh.
Ich bin dann, nachdem ich in der Nähe meines B&B abgesetzt wurde, noch die 15th Ave ein wenig langgelaufen um dann ziemlich spät gegen Mitternacht im B&B anzukommen. Mein erster Gedanke nach Türöffnen war, dass ich mein Haus in Victoria betreten habe. Das B&B, das Gaslight Inn, gehört nämlich dem Bruder meiner Vermieterin - was mir zum Einen einen großen Rabatt auf die Übernachtungskosten gebracht hat, was zum Anderen aber auch die Ähnlichkeit erklärte. Wie ich am nächsten Tag erfahren habe, wurde unser Haus in Victoria vom Lebensgefährten des Bruders meiner Vermieterin im Inneren gestaltet.
Gestärkt, mit Frühstück im Bauch, ging es dann in die Stadt. Ich bin die Space Needle hochgefahren (mit dem Fahrstuhl) um die Stadt von oben im diesigen 1.-Oktober-Wetter zu bewundern. Danach ging es in das “Experience Music Project and Science Fiction Museum”, wo ich weit mehr Zeit verbracht habe, als ursprünglich angedacht. Nach der sehr depressiven Nirvana-Ausstellung habe ich gelernt wie man Schlagzeug spielt. (Okay, eigentlich habe ich es inzwischen wieder vergessen, aber was soll’s.)
Ich bin durch die Stadt gelaufen, habe den Pike Place Market besucht, den ersten Starbucks gesehen, ein großes Stück Zitronen-Himbeer-Käsekuchen in der Cheesecakefactory verdrückt, und habe die Wasserfront genossen. Seattle erinnert am Wasser sehr an Hamburg, aber nur dort. Zum Abendessen bin ich dann in die Ba Bar gelaufen. Bekommen habe ich eine interessante Mischung aus koreanischem Essen und Seafood. War aber sehr lecker. Das passende Bier dazu auch. Nur ich war etwas underdressed nach einem Tag umherlaufen, während die Leute um mich herum etwas feiner angezogen waren (wobei ich auch verschwitzt war im Kapuzenpulli). Was den Unterschied zwischen Kanadiern und Seattle-Amerikanern ausmacht, ist, dass die Amis mit einem reden. Man wird ständig in Gespräche verwickelt, was mir persönlich ja viel Spaß macht. Deshalb war es auch nicht komisch alleine in so einer Bar aufzutauchen.
Ich war natürlich zu spät im Bett, und musste Sonntag zu früh aufstehen (um 5 Uhr), um rechtzeitig wieder am Clipper zu sein. Und weil natürlich der Bus nicht kam, bin ich dann Sonntag morgen um 6 Uhr losgelaufen und etwa 6.50 Uhr am Clipperterminal angekommen. Auf dem Clipper habe ich dann noch eine lokale Künstlerin kennengelernt und mit ihr über Gott und die Welt philosophiert. Netterweise hat sie meinen Akzent komplett falsch eingeordnet und mich nach Südafrika gesteckt (dabei ist der deutsche Akzent doch immer so offensichtlich)
Ich habe von ihr dann ein paar Drucke geschenkt bekommen (nicht ganz mein Geschmack, aber ich kenne ein paar Menschen, die sich genau darüber freuen) und herausgefunden, dass sie und meine Vermieterin mehr als gute Bekannte sind. Klein ist die Welt.
Auf dem Weg nach Hause bin ich zufällig Steven (ein Kollege hier) über den Weg gelaufen und wir hatten dann Fish and Chips im Red Fish Blue Fish, dem angeblich besten Fish and Chips Place in Victoria. Ähm, ja. Die besten Fish and Chips hatte ich in der vergangenen Woche von meiner Vermieterin, aber so weit so gut.
Meinem Haus habe ich Schokolade aus Seattle mitgebracht, genau die hier. Sehr lecker und leider schon alle.
Im Rückblick war das ein kurzes, aber sehr erlebnisreiches Wochenende.
Meine letzten Wochen in Kanada sind nun angebrochen. Die letzten zwei Wochen waren zusätzlich wenig aufregend, jedenfalls aus der Sicht eines Reisenden. Dafür aber ungleich spannender aus meiner Sicht als vor-sich-hin-werkelnder Doktorand. Wenn man vom ausgiebigen Longboardfahren absieht, habe ich die letzten 2 Wochen damit verbracht, meinen Vortrag fertigzustellen und vorläufige Ergebnisse meiner Arbeit hier zusammenzustellen. Meinen Vortrag habe ich überstanden, alles andere auch. Jetzt geht es nur noch darum, einen Teil zusammenzuschreiben und den anderen Teil später mit nach Hause zu nehmen um im verbleibenden Jahr noch etwas sinnvolles mit der Zeit anzufangen. Ich hatte die letzten zwei Wochen auch eine Menge Spaß mit meinen Mitbewohnern. Wir hatten alles: endlos Fish and Chips (Dienstag Special in Pluto’s), lauwarme Abende auf der Terrasse, BBQ, japanisch essen gehen, Strand, Sonne, Regen, Truck fahren… Ich habe das Alter meiner Mitbewohnerin herausgefunden. Ich dachte immer sie wäre jünger. Mittlerweile denke ich, dass ich etwas respektvoller sein sollte. Hmm. Wir sind letztes Wochenende zum Strand gefahren, das heißt, Chris ging surfen, ich ging wandern auf dem Juan de Fuca Trail. Und da es die Tage davor geregnet hatte, war das Wandern eher vergleichbar mit Schlammschlittern. Es hat sich aber gelohnt. Plötzlich tauchte eine Hängebrücke auf mit Blick auf zwei Wasserfälle. Nach etwa 4 Stunden angespanntem Schlammschlittern und Schlammpfützen-Durchqueren gab es dann Mittagessen am Strand. Das heißt, wir haben auf unseren Campingstühlen die gekauften Sandwiches von Subway genossen. Mit der Sicht auf die See wurde mir auch immer klarer, dass das Wetter sich deutlich verschlechtern wird. Am Sonntag hat es mich dann erwischt. Nach einem ausgiebig langen Lauf durch die Innenstadt, auf die Mauer im Wasser am Ogden Point (mit einer Robbe im Wasser), am Wasser entlang, konnte ich die Schauerfront sehen. Etwa 20 min von meiner Bleibe entfernt erwischte mich der Regen. Und seitdem sind die Temperaturen deutlich heruntergegangen. Ich glaube, der Herbst ist hier nach einer 2-monatigen Pause wieder da und nun wohl für den Rest der Zeit. In ein paar Wochen geht es zurück in die Heimat, mit einem komischen Gefühl in der Bauchgegend. P.S. Ich wollte ursprünglich einen komplett anderen Text schreiben. Ich wollte über verschiedene Wege schreiben. Ich wollte über Einhorntränen sprechen. Ich habe es sein gelassen.