flashback
Angekommen, Teil 2
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Mittlerweile bin ich hier wohl angekommen. Die Hast und Ruhelosigkeit etwas erleben zu müssen verschwindet langsam. Für mich ist es besser, wenn die Dinge einfach geschehen so wie sie geschehen. Aber alles der Reihe nach.

In der letzten Woche wurde ich zum Abendessen bei meinem hiesigen Chef, Francis, eingeladen. Ich glaube, das war der Dienstag. Ich habe den Abend sehr genossen. Eigentlich war ich viel mehr darüber überrascht, welch Gegenteil an Persönlichkeit Francis’ Ehefrau ist. Das war vermutlich der Grund, warum der Abend so unterhaltsam war. Auch habe ich mir von den beiden ein Fahrrad ausgeborgt.

Die erste Fahrt nach Hause war schon etwas aufregend für mich. Es ging ja schließlich einen steilen Hügel bergab. Leider ist mir das Fahrrad am nächsten Tag schon kaputt gegangen. Jeff, unser Haus-Ingenieur, half mir, das Fahrrad zumindest in den Zustand zu versetzen wie ich es bekommen habe. Problem ist, das Fahrrad ist einfach alt. Und das Teil, das kaputt gegangen ist, das Tretlager, ist abgenutzt und lose. Im Grunde ist es Verschleiss, und ich hatte einfach das Pech das Fahrrad als erster seit Jahren mal wieder zu bewegen. Francis war nicht allzu traurig über den Verlust, hat er doch mittlerweile ein schönes neues Fahrrad. Ich selbst bin noch unentschlossen, ob ich mich weiter umschaue nach einem Fahrrad, es bleiben lasse, oder mir einfach für 200 C$ ein neues/gebrauchtes Fahrrad kaufe. Am Donnerstag ging es in die Grad Lounge auf dem Campus, ein Pub. Unsere Computer-Jungs hier haben einen Pubabend organisiert für die Kollegen. Eigentlich war der Grund, dass ich beim Mittagessen immer wieder meinen Wunsch wiederholt habe, doch einmal das lokale Bier ausprobieren zu wollen. Irgendwann kam dann die Pub-Rundmail. Den Abend, oder eher später Nachmittag, fand ich sehr amüsant, was auch an den 3 pints Bier gelegen haben kann. Am Abend wurde ich noch auf eine Hausbesichtigung eingeladen. Ich durfte mir ein wunderschönes altes Haus anschauen, das mitten auf einem Hügel steht. Vom Dach aus kann man den Großteil der Stadt überblicken. Und das Beste, es können die Gästeräume gemietet werden. Betreut wird das Ganze von jemanden hier vom PCIC, so dass ich hoffe, meinen Spät-August-Gast dort einquartieren zu können. Ich bin auch schon fleissig am Planen und Organisieren um das Meistmögliche aus 7 Tagen herauszuquetschen. Diese 7 Tage werden ja auch meine echten und richtigen Ferien hier sein.

Am Freitag wurde ich zu einem BBQ/Grillen eingeladen. Jedenfalls habe ich die kanadische Art Abende zu verbringen kennengelernt. Die unterscheidet sich nicht im Geringsten von unseren Abenden zu Hause. Alle sitzen, stehen, essen, reden durcheinander, trinken zu viel Bier, entspannen im und mit Gras. Die Leute waren mir sehr sympathisch - ich kannte vorher ja nur eine einzige Person dort. Wobei ich mich nicht mehr genau an die Namen erinnern kann. Jeder brachte Essen mit. Ich habe einen Tomaten-Mango-Karotten-Salat nach einem sehr jungen Familienrezept zubereitet. Den großen Plaste-Container, den ich vorbereitet hatte, konnte ich später leer mit nach Hause nehmen. Ich gehe mal davon aus, dass der Salat geschmeckt hat, mir zumindest hat er sehr gemundet, wie auch der Rest. Allerdings weiß ich nicht, wie ich genau nach Hause gekommen bin. Zu Fuß auf alle Fälle, daran erinnere ich mich. Der Abend fand ja nur 3 Blöcke von meinem Haus entfernt statt. Ich weiß noch, dass ich alle Kuchenüberreste in der Küche nachts gekillt habe. Hatte ich einen Hunger auf Süßes.
Ich hatte keine weiteren Pläne fürs Wochenende. An sich war ich hin und her gerissen, ob ich nach Vancouver oder Seattle fahren will oder doch lieber in Victoria bleiben möchte. Nur gut, dass ich nicht entscheiden musste. Wurde mir diese Entscheidung doch im Laufe der letzten Woche von Linda, meiner Vermieterin, abgenommen. Wir haben nämlich einen Garten, und morgens frische Erbsenschoten ins Mittagessen zu schneiden ist schon toll. Jedenfalls musste der Garten bewässert werden, da Linda und Jeff verreist waren. Wie auch immer, nach drei Wochen wurde es zudem sowieso Zeit mal Wäsche zu waschen.

Samstag und Sonntag war ich zudem auch furchtbar müde. Und war eigentlich froh, einfach auf der Terrasse zu sitzen, Kurzgeschichten zu lesen, und ein Bier zu haben. Mir ist auch bewusst geworden, dass mir so ein faules Wochenende definitiv gut getan hat. Ich will es nicht immer haben, aber von Zeit zu Zeit ist das sehr angenehm. Viel eher habe ich auch das Gefühl, dass ich mich ein wenig selbst unter Druck setze viel erleben zu müssen. Das letzte Wochenende hat mir aber gezeigt, dass das Gegenteil viel erstrebenswerter ist. Ich bin nach Victoria gekommen. Und zwar, um hier zu sein und nicht um quer durchs Land zu reisen. 
Was steht eigentlich demnächst hier an? Ich werde weiterhin unter der Woche arbeiten. Mir macht meine Arbeit tatsächlich Spaß hier. Ich möchte dieses Wochenende irgendwo wandern gehen. Mal sehen. 

P.S. Mir fällt gerade beim Schreiben auf, dass ich deutsche Wörter im Internet nachschlagen muss. 

 

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