Seattle und Geisterfahrer
Freitag habe ich mich auf den Weg gemacht: Zuerst zum Clipper (so eine Art Katamaran), durch den Ami-Zoll, über die Juan de Fuca Strait, um letztendlich in Seattle anzukommen. An Bord habe ich ein paar Leute kennengelernt und mir die Zeit kurzweilig vertrieben. Unter anderem eine junge Soldatin und ihre Mutter, die auf einen Tagesausflug in Victoria waren. Und weil diese junge Soldatin und ihre Mutter so nett waren, haben sie mir angeboten, mich zu meinem Bed and Breakfast zu fahren. Ich fand das großartig, aber ich hätte dankend ablehnen sollen. Nach einem kleinen Abendessen zusammen sind wir dann also los. Wir haben die Adresse ins GPS eingegeben. So weit so gut. Manchmal frage ich mich, wie man als Geisterfahrer auf der Autobahn enden kann. Nun weiß ich die Antwort.
Das GPS sagte “Turn now.” und wir sind abgebogen - direkt auf den Highway auf der falschen Seite. Von hinten kam nur “Brittany, what are you doing?”, was wahrscheinlich auch nicht weiter half. Die Autos jedenfalls haben gehupt, zurück ging es auch nicht mehr. Ich glaube, ein wenig habe ich mein Leben an mir vorbeirauschen gesehen. Nach dem ersten Schrecken haben wir dann gedreht und sind in die richtige Richtung gefahren. Puh.
Ich bin dann, nachdem ich in der Nähe meines B&B abgesetzt wurde, noch die 15th Ave ein wenig langgelaufen um dann ziemlich spät gegen Mitternacht im B&B anzukommen. Mein erster Gedanke nach Türöffnen war, dass ich mein Haus in Victoria betreten habe. Das B&B, das Gaslight Inn, gehört nämlich dem Bruder meiner Vermieterin - was mir zum Einen einen großen Rabatt auf die Übernachtungskosten gebracht hat, was zum Anderen aber auch die Ähnlichkeit erklärte. Wie ich am nächsten Tag erfahren habe, wurde unser Haus in Victoria vom Lebensgefährten des Bruders meiner Vermieterin im Inneren gestaltet.
Gestärkt, mit Frühstück im Bauch, ging es dann in die Stadt. Ich bin die Space Needle hochgefahren (mit dem Fahrstuhl) um die Stadt von oben im diesigen 1.-Oktober-Wetter zu bewundern. Danach ging es in das “Experience Music Project and Science Fiction Museum”, wo ich weit mehr Zeit verbracht habe, als ursprünglich angedacht. Nach der sehr depressiven Nirvana-Ausstellung habe ich gelernt wie man Schlagzeug spielt. (Okay, eigentlich habe ich es inzwischen wieder vergessen, aber was soll’s.)
Ich bin durch die Stadt gelaufen, habe den Pike Place Market besucht, den ersten Starbucks gesehen, ein großes Stück Zitronen-Himbeer-Käsekuchen in der Cheesecakefactory verdrückt, und habe die Wasserfront genossen. Seattle erinnert am Wasser sehr an Hamburg, aber nur dort. Zum Abendessen bin ich dann in die Ba Bar gelaufen. Bekommen habe ich eine interessante Mischung aus koreanischem Essen und Seafood. War aber sehr lecker. Das passende Bier dazu auch. Nur ich war etwas underdressed nach einem Tag umherlaufen, während die Leute um mich herum etwas feiner angezogen waren (wobei ich auch verschwitzt war im Kapuzenpulli). Was den Unterschied zwischen Kanadiern und Seattle-Amerikanern ausmacht, ist, dass die Amis mit einem reden. Man wird ständig in Gespräche verwickelt, was mir persönlich ja viel Spaß macht. Deshalb war es auch nicht komisch alleine in so einer Bar aufzutauchen.
Ich war natürlich zu spät im Bett, und musste Sonntag zu früh aufstehen (um 5 Uhr), um rechtzeitig wieder am Clipper zu sein. Und weil natürlich der Bus nicht kam, bin ich dann Sonntag morgen um 6 Uhr losgelaufen und etwa 6.50 Uhr am Clipperterminal angekommen. Auf dem Clipper habe ich dann noch eine lokale Künstlerin kennengelernt und mit ihr über Gott und die Welt philosophiert. Netterweise hat sie meinen Akzent komplett falsch eingeordnet und mich nach Südafrika gesteckt (dabei ist der deutsche Akzent doch immer so offensichtlich)
Ich habe von ihr dann ein paar Drucke geschenkt bekommen (nicht ganz mein Geschmack, aber ich kenne ein paar Menschen, die sich genau darüber freuen) und herausgefunden, dass sie und meine Vermieterin mehr als gute Bekannte sind. Klein ist die Welt.
Auf dem Weg nach Hause bin ich zufällig Steven (ein Kollege hier) über den Weg gelaufen und wir hatten dann Fish and Chips im Red Fish Blue Fish, dem angeblich besten Fish and Chips Place in Victoria. Ähm, ja. Die besten Fish and Chips hatte ich in der vergangenen Woche von meiner Vermieterin, aber so weit so gut.
Meinem Haus habe ich Schokolade aus Seattle mitgebracht, genau die hier. Sehr lecker und leider schon alle.
Im Rückblick war das ein kurzes, aber sehr erlebnisreiches Wochenende.








